Die Schleuse in Mellensee am Nottekanal.

MAZ 14.02.2012

Mellensee und Kleiner Krummer See sollen vom Bund ans Land verkauft werden

MELLENSEE - Fische verhalten sich im Winter ruhig. So geduldig ist Fischer Jochen Gebauer nicht. Er gehört dem Verein Pro Mellensee an, der vor dreieinhalb Jahren den Protest gegen die Seenprivatisierung lostrat.

Ein Jahr später startete Carsten Preuß vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) die Petition gegen die Privatisierung der früher volkseigenen Gewässer. 140 Seen sollen nun ans Land Brandenburg gehen, darunter aus dem Altkreis Zossen der Mellensee mit 211 Hektar und der Kleine Krumme See bei Sperenberg mit neun Hektar.

„Ärgerlich ist, dass es keine kostenlose Übertragung geben soll, sondern dass das Land die Gewässer kaufen muss, mit Steuergeldern, die von der linken in die rechte Tasche wandern“, grollt Gebauer. Außerdem dauert ihm das Ganze viel zu lange. Im Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft Brandenburg geht man davon aus, dass der Verkauf im ersten Halbjahr 2012 über die Bühne geht. „Alle Gewässer sind neu vermessen worden, die fischereiliche Ertragsfähigkeit ist festgestellt. Jetzt geht es nur noch um den Preis“, sagt Ministeriumssprecher Jens-Uwe Schade. Dass der Neuendorfer See (bei Fernneuendorf) nicht im Verkaufspaket liegt, habe einen besonderen Grund. „Im Rahmen eines Flächentauschs ging der Neuendorfer See von der Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft BVVG an den Landesbetrieb Forst Brandenburg über. Für den Fischer dürfte das keinen Nachteil bedeuten“, so Jens-Uwe Schade. In der Tat hat sich für Fischer Karl-Heinz König nur das Konto geändert, auf das er die Fischereipacht überweist.

Der Motzener See taucht im Verkaufspaket auf, aber nur ein Teil, der im Nachbarlandkreis Dahme-Spreewald liegt. Die Kallinchener Seite gehört schon dem Land. Erst vor kurzem erfuhren der Bürgermeister der Gemeinde Am Mellensee und der Verein Pro Mellensee vom Ausgang der Klage der BVVG gegen die im Jahre 2008 erfolgte Zuordnung des Mellensees ans Land Brandenburg. Das Verwaltungsgericht Berlin hob die Zuordnung ans Land auf, weil der Mellensee zum Stichtag 1. Oktober 1989 noch kein Gewässer 1. Ordnung gewesen war. Das Urteil fiel schon im August 2011. „Normal ist das nicht, dass wir als betroffene Kommune nicht informiert wurden, sondern immer wieder selbst nachfragen mussten“, meint Bürgermeister Frank Broshog. Die Gemeinde hatte die Unterschriften-Aktion des Vereins Pro Mellensee gegen die Privatisierung der Brandenburger Seen unterstützt, sie setzt auf den Tourismus.

Professor Jochen Oehler, ebenfalls Mitglied im Verein Pro Mellensee, kritisiert, dass der Kampf gegen die Seenprivatisierung als Spielball der Politik benutzt wurde: „Je nachdem, ob gerade ein Wahl ansteht, ob die Partei in der Regierung oder der Opposition ist, ändert sich das Interesse. Und oft haben sich die Politiker inhaltlich mit dem Thema kaum befasst.“ Auch im Petitionsausschuss des Bundestages ist es anscheinend in Vergessenheit geraten. Der Zossener Carsten Preuß, der sie eingereicht hatte, sagt: „Ich habe bis heute keine Antwort. Im Dezember schickten BUND-Mitglieder und Sympathisanten noch einmal Hunderte E-Mails an die Vorsitzende des Petitionsausschusses und forderten einen positiven Abschluss des Petitionsverfahrens – ohne irgendeine Reaktion.“ (Von Gudrun Schneck)

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