Der Nottekanal im Herbst.

Biologe Jochen Oehler fürchtet um Wasserqualität

Der Patient Mellensee

Prof. Dr. Jochen OehlerMAZ 29.08.2014 Gut findet es Jochen Oehler, dass die Gemeinde den Mellensee vom Land übernommen hat und ihn zu einer touristischen Perle entwickeln will. Dafür haben er und seine Mitstreiter vom Verein „Pro Mellensee“ lange gekämpft. Aber der pensionierte Biologie-Professor weiß auch, dass etwas geschehen muss, damit der See nicht umkippt.

Jochen Oehler ist am Mellensee groß geworden, kennt Flora und Fauna wie kaum ein anderer.

Am Mellensee. Mit dieser Meinung steht der 71-Jährige nicht allein da. Beispielsweise fragte das Klausdorfer Ortsbeiratsmitglied Michael Röske in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertreter besorgt an, was es mit Gerüchten über Muschelsterben im Mellensee auf sich habe. „Das hat es in diesem Ausmaß noch nicht gegeben“, sagte Bürgermeister Frank Broshog (parteilos). Er und Oehler waren dabei, als die ersten leblos auf der Wasseroberfläche treibenden Teichmuscheln entdeckt wurden. Das war ausgerechnet an jenem Juli-Sonntag, als Finanzstaatssekretärin Daniela Trochowski (Linke) Broshog auf dem Fischerfest die Übertragungsurkunde für den Mellensee übergab. An den folgenden Tagen wurden Hunderte tote Muscheln am Ufer angeschwemmt und von Mitarbeitern des Bauhofes der Gemeinde eingesammelt. Nach rund zwei Wochen war das Muschelsterben vorbei.

Niedrige Sauerstoffgehalt

Der See ist ein lohnendes Ziel für Urlauber.

Wahrscheinlich haben die schwüle Witterung und der niedrige Sauerstoffgehalt im tiefen Wasser zu dem Muschelsterben geführt, vermutet Oehler. Was ihn genauso beunruhigt, sind andere Beobachtungen in der Tierwelt. Große Wasserinsekten, beispielsweise Libellen, und selbst Wasserflöhe werden immer weniger. Folglich ist das Futter auch für Wasservögel knapp. „Früher haben alle 30, 40 Meter Blesshühner am Ufer genistet. Heute muss man sie mit dem Fernglas suchen.“ Zudem niste nur ein Schwanenpaar auf dem See, das in diesem Jahr erstmals nicht gebrütet hat. „Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass etwas mit dem See nicht stimmt“. Schließlich stünden diese und andere Vogelarten für eine ganze Lebensgemeinschaft von Pflanzen und Tieren, die wegen der schlechten Wasserqualität bedroht ist.


Landesumweltamt: See mit zu vielen Nährstoffen belastet
Das Landesumweltamt hat den Mellensee als „polytroph“ – trübe und mit zu vielen Nährstoffen belastet – eingestuft. Der Nährstoffüberfluss führt dazu, dass Grünalgenteppiche den ganzen Sommer am Ufer des Mellensees anschwemmen. Deshalb empfahl das Kreisgesundheitsamt, in den Strandbädern Klausdorf und Mellensee wegen der geringen Sichttiefe auf das Baden zu verzichten. „Die Gefahr besteht, dass der Mellensee große Probleme als Badesee bekommen kann“, warnt Oehler nicht nur vor Algen, sondern auch vor der zunehmenden Nährstofflast. Die kommt unter anderem aus den Wünsdorfer Seen und dem davor liegenden Wolziger See. In diese Gewässer leiteten beispielsweise die ehemalige Neuhofer Konservenfabrik und private Anlieger Abwässer ein. Rückstände fließen in den Mellensee. Weil es dort nur einen schmalen Abfluss Richtung Nottekanal gibt, bleiben viele Schadstoffe hängen. Um das zu ändern, müsste der Mellensee seinen natürlichen Durchfluss am Mühlenfließ wieder bekommen. Um Behörden und Geldgeber für die Wiederherstellung des Fließes zu begeistern, braucht man eine Projektstudie. Die kostet rund 20.000 Euro.

Von Frank Pechhold, Märkische Allgemeine, Regionalausgabe Zossen

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