Die Schleuse in Mellensee am Nottekanal.

Land will mit Seen wohl nichts zu tun haben

Quelle: Märkische Allgemeine, MAZ Hauptteil, 04.05.2013

ZU „KEIN ENDE IM SEEN-STREIT: ANGLER FORDERN FREIEN ZUGANG“ UND „DER BEKANNTE ZOFF“,

23. 4. Land will mit Seen wohl nichts zu tun haben

Im Jahr 2007 begann der kleine Verein pro Mellensee mit dem Protest gegen die Seenprivatisierung durch die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG), die diese im Auftrag der Bundesregierung laut Einigungsvertrag praktizierte. Relativ öffentlichkeitsscheu hatte die BVVG bis zu diesem Zeitpunkt laut Medienangaben schon etwa 15 000 Hektar Seenfläche privatisiert. Und niemand aus den politischen Ebenen nahm Anstoß daran. So erhielt man auch damals aus dem brandenburgischen Strukturministerium sinngemäß die Antwort, dass an diesem Prozedere nicht zu rütteln sei. Unterschriftensammlungen, eine Online-
Petition an den Bundestag, viele Beiträge in den verschiedensten Medien und viele Schreiben an Minister, an den Bundespräsidenten, an die Kanzlerin sowie an die Fraktionen des Bundestags, die zwar mitunter nicht beantwortet wurden, hatten aber offenbar dennoch ihre Wirkung. Während eines Moratoriums führten entsprechende Verhandlungen zwischen der Bundesregierung und den Ländern Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg dazu, dass die beiden Länder die noch in den Händen der BVVG befindlichen Seen übernehmen, jedoch nicht kostenlos, wie ursprünglich gefordert.


Während Mecklenburg-Vorpommern vor etwa zwei Jahren seine Seen daraufhin schnell in die Landesverwaltung übernahm, ist in Brandenburg nun eine völlig unverständliche Diskussion im Gang, in wessen Eigentum die übernommenen Seen zu überführen sind: Kommunen, Fischereiverbände, Anglerverbände, Naturschutzorganisationen, Private. Offenbar will das Land, wie es am Anfang der ganzen Kampagne der Fall war, nach wie vor mit den Seen nichts zu tun haben. Aber wenn in Zukunft ein Mosaik von Eigentumsverhältnissen zu erwarten ist, wäre das für die zukünftige Nachhaltigkeit bei den vielen ökologischen Vernetzungen, die unsere Seenlandschaft charakterisiert, nicht sehr angebracht. Die zunehmenden Einflüsse und Belastungen werden in Zukunft unbedingt eine wissenschaftliche Begleitung erfordern. Das werden die unterschiedlichen Eigentümer in dem notwendigen Maße schwerlich leisten bzw. leisten können. Das Land selbst aber hat mit seinen Ministerien und den ihnen untergeordneten Fachämtern alle Möglichkeiten und Kompetenzen, diese Aufgaben verwaltungstechnisch und wissenschaftlich zu bewältigen. Wozu sind sie denn sonst da? Das leitet sich auch von der im Grundgesetz festgeschriebenen Verpflichtung, für die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen Sorge zu tragen, ab. Brandenburgs Seen sind mit das Schönste, was die Brandenburger Landschaften so liebenswert macht. Alle Nutzungen und Vorhaben könnten immer unter dem wichtigen Vorsatz der Nachhaltigkeit von staatlichen Ebenen kompetent geregelt und verteilt werden.

Prof. Dr. Jochen Oehler,

Am Mellensee

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