Die Schleuse in Mellensee am Nottekanal.

Mit Lerchenruf und Neuntöter

MAZ 13.05.2013

Bei einer Vogelstimmenwanderung lauschten Frühaufsteher gefiederten Tieren und einem Fachmann

MELLENSEE - Unerwartet groß war das Interesse an der Vogelstimmenwanderung, zu der für Sonnabend in aller Frühe der Verein Pro Mellensee eingeladen hatte. Unter sachkundiger Führung von Professor Jochen Oehler trafen sich viele Naturfreunde, um die frühen Sänger ein bisschen näher kennenzulernen.

Zilp, zalp, zilp, zalp, tönte es am Ufer des Mellensees. Der markante Ruf, der dem Weidenlaubsänger auch seinen lautmalenden Namen Zilpzalp einbrachte, ließ sich im sprießenden Laub der Bäume zwar optisch nicht ausmachen, war aber umso deutlicher zu hören. Sein Ruf begleitete die Wanderer noch über eine große Strecke.

Ein anderes Mal ertönte der einsame Ruf einer Rohrammer. Das Vorkommen dieser Vögel habe einen Seltenheitsgrad erreicht, der traurig stimme, sagt Oehler. Früher waren diese Bewohner des Schilfgürtels hier häufig anzutreffen, ebenso wie Rohrdommel und Haubentaucher. Als Kind, so erinnerte sich der Biologe, sei er den Vögeln beim Schwimmen immer begegnet, „der See war voll von Haubentauchern.“

Ganz vermisst werden am Mellensee die Schilfrohrsänger. Den Teichrohrsänger habe er in diesem Jahr noch nicht entdeckt, sagte Oehler. Diese Vogelarten stehen für eine ganze Lebensgemeinschaft von Pflanzen und Tieren, die unter anderem wegen der Eutrophierung der Gewässer bedroht ist. Diesen Fachbegriff für Nährstoffeinträge oder -anreicherungen verwenden Ökologen. Sie meinen damit die Anreicherung von Nährstoffen in einem Ökosystem oder einem Teil davon. Gewässer sind solch Teil eines regionalen Ökosystems. Bei ihnen wird unter Eutrophierung meist eine Überschreitung des günstigsten Nahrungsangebots verstanden, also die unerwünschte Zunahme an Nährstoffen im Wasser. Denn damit ist ein nutzloses oder schädliches Pflanzenwachstum verbunden; so wuchern bestimmte Pflanzenarten wie Algen unerwünscht stark und stören damit das ökologische Gleichgewicht.

Bodenbrüter sind zudem durch wildernde Katzen und zunehmend durch Waschbären gefährdet, erklärt Jochen Oehler. Vögel haben alle ihr Revier, „und das ist bei jeder Art unterschiedlich groß“. Und er weiß: „Je dichter die einzelnen Reviere besetzt sind, umso mehr können die Tiere ihren Gesang variieren.“ Vogelpaare erkennen einander am Gesang. Aufmerksam hörte der jüngste Besucher dieser Vogelstimmenwanderung nicht nur in das Gezwitscher, sondern der neun Jahre alte Jan aus Schünow lauschte auch den Erläuterungen von Jochen Oehler. Der Schüler hatte ein Buch dabei und notierte sich die Namen der Vögel, deren Stimmen er zu hören bekam.

Über den zeitigen Gesang von Amsel und Star freuen sich morgens vor ihrer Haustür Kristina Moser und Bärbel Günther. Die beiden Ludwigsfelderinnen waren nicht das erste Mal mit diesem Verein unterwegs und lobten die interessanten Veranstaltungen.

Als die Vogelfreunde vom Ufer des Sees abbogen und über freies Feld wanderten, da stieg eine Lerche auf, um hoch in den Lüften zu jubilieren. Das Überleben dieser Vogelart hängt stark von Aussaat und Bearbeitung der Feldkulturen ab. Wenn der Mais auf den Feldern hoch ist, dann hat dieser fröhliche Sänger keine Chance. Er braucht eine niedrige, vielfältig strukturierte Vegetation.

Einen Neuntöter hatte der Biologe im angrenzenden Siedlungsgebiet entdeckt. Dieser Vogel stand bis 2002 auf der Roten Liste der gefährdeten Brutvogelarten. Die Zersiedlung der Landschaft, die Beseitigung von Hecken hatten die Population zurückgedrängt. Dass die Vogelstimmenwanderung letztlich länger ausfiel als vorgesehen, das störte keinen der Frühaufsteher. Im Gegenteil. Er wäre gern den ganzen Tag unter so fachkundiger und kurzweiliger Führung weitergewandert, sagte einer der Teilnehmer. (Von Gudrun Ott)

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